Verkehrsentwicklung und Streckenschicksal

Wilfried Rettig, Minden
Die Eisenbahnen im Vogtland, Band 2, EK-Verlag
Der erste Fahrplan Adorf - Roßbach, gültig ab 18. September 1906, enthielt drei Zugpaare mit einer durchschnittlichen Fahrzeit von 3/4 Stunden.
Lok 98-1306 in Linz Eine Schwestermaschine des 'Roßbacher Mockels' aus der Baureihe 98 (ex Reihe 99 KkStB) wurde 1940 in Linz abgelichtet.
Sammlung Helmut Griebl
Der Frühzug fuhr 4.58 Uhr ab Asch und erreichte Adorf nach 72 Minuten, was einer Reisegeschwindigkeit von 21,3 km/h entspricht. Die Fahrpreise richteten sich nach dem österreichischen Zonentarif. Von Adorf bis Leubetha, Freiberg oder Arnsgrün waren in der 2. Klasse 35 Pfg, in der dritten Klasse 20 Pfg zu entrichten. Eine 4. Klasse gab es nicht, ebenso keine Rückfahrkarten. Bis Roßbach oder Thonbrunn musste man wenigstens 42 Heller und bis Neuberg oder den Ascher Bahnhöfen 64 Heller zahlen. Die 2. Klasse war doppelt so teuer. Ab 1. Oktober 1906 wurde der Postverkehr auf der Strecke Asch - Adorf eingerichtet. Die Züge 1911, 1953 und 1955 sowie 1912 und 1954 besaßen Briefkästen, die in Adorf, Roßbach und Asch geleert wurden, an den Zugführerwagen.

Die Hochfläche zwischen Asch und Neuberg war im Winter stets eine neuralgische Stelle. Bereits am 12. Januar 1905 zwangen Schneeverwehungen zur Einstellung des Gesamtverkehrs. Drei Tage lang war Roßbach von der Außenwelt abgeschnitten, denn der Abschnitt nach Adorf war erst im Bau. Im Februar 1907 blieb der "Roßbacher Mockel", wie die Bahn von der Bevölkerung genannt wurde, wiederum vor Asch im Schnee stecken und konnte erst nach fast einer Woche befreit werden. Auch später wurden in kritischen Winterzeiten oft zwei Lokomotiven vorgespannt.

Der Fahrplan von 1913 verzeichnete außer den drei täglichen Zugpaaren auf der Gesamtstrecke ein Weiteres nur an Sonn- und Feiertagen sowie zwei zwischen Roßbach
Fahrplan 1914 Fahrplan von 1914
Sammlung Wilfried Rettig
und Asch Anschlussstelle. Ein Abendzug pendelte noch von der Anschlussstelle nach Asch Stadt, wo Lok und Personal ihre Nachtruhe hielten. Rund zehn Minuten dauerte die Zollabfertigung in Roßbach. Der Beginn des Ersten Weltkrieges führte zur Unterbrechung des grenzüberschreitenden Verkehrs Roßbach - Adorf bis 18. Oktober 1914. Auch gegen Kriegsende wurde der Eisenbahnverkehr nach Roßbach vom 1. bis 6. November 1918 eingestellt. Nachdem die Station Thonbrunn-Friedersreuth bereits 1895 einen Gleisanschluss zur Spinnerei Neuenteich erhielt und damit zum Bahnhof avancierte, errichtete die K.k.St.B. hier 1910 ein neues Empfangsgebäude nach dem Typenprojekt von Arnsgrün und Freiberg.

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Nach der Gründung der Tschechoslowakischen Republik gingen die böhmischen Strecken der ehemaligen K.k.St.B. in den Bestand der ČSD über, die nunmehr auch die Relation Asch - Adorf betrieben. Sie gehörte zur Staatsbahndirektion Pilsen, ohne das eine Schienenverbindung zum ČSD-Netz bestand, denn die Strecke Eger - Asch - Oberkotzau unterstand seit der Verreichlichung der Länderbahnen 1920 der DR. So mussten beispielsweise Lokomotiven zur Hauptuntersuchung über die Reichsbahnstrecke Asch - Eger von DR-Loks geschleppt werden. Nach dem Ersten Weltkrieg (1919) beschränkte sich der Zugverkehr auf drei durchgehende Züge Asch - Adorf, von denen der Frühzug erst in Asch Stadt begann. Der letzte abends in Asch ankommende Zug pendelte noch von der Anschlussstelle zurück nach Asch Stadt. 1924 hatte sich der Verkehr auf zwei durchgehende Verbindungen Asch - Adorf reduziert. Den Zugdienst übernahmen Loks der Baureihe 310 und 320. Mit den 310-ern (eine in Betrieb) gab es oft Ärger mit dem Zug- und Stationspersonal, weil die schwachen Maschinen nur eine begrenzte Last übernehmen konnten. Die Personenzüge bestanden meist aus einem Gepäckwagen Ddk und fünf Reisezugwagen.

Am 31. März 1924 kam es zu einer Entgleisung bei km 12,1 nahe Thonbrunn, bei der die Maschine beinahe die Böschung herabgestürzt wäre. Die Strecke musste bis 2. April gesperrt werden. Am 12. August 1931 gab es ein weiteres Unglück. Der Zug Pmg3103 war an Weiche 3 auf dem Bf Roßbach entgleist. Der einzige tägliche Nachtgüterzug ab Asch bediente zunächst die Anschlüsse in Asch Stadt (Fa. Geipel, Fa. Fischer, Schlachthof und Deutsche Spitzenfabrik) und fuhr dann nach Roßbach. Nach Adorf gab es nur unregelmäßigen Güterverkehr, hauptsächliche Transportgüter waren Baumwolle und Textilien. Ein letztes Mal fand am 26. September 1926 eine Sitzung der beteiligten Bahnverwaltungen zum Thema Bahnlinie Adorf - Roßbach - Hof statt. Die ČSD begann schon ab 1933 mit der Motorisierung der Nebenbahnen. Auch zwischen Asch und Adorf kamen rot-beige Turmtriebwagen zum Einsatz. Ein derartiger M 120.4 zog dabei entweder einen Personenwagen Cl oder einen Cdl mit Dienstabteil. Bis mit Kriegsausbruch die Triebwagen zwecks Kraftstoffeinsparung abgestellt wurden, waren nur die längeren und schwereren Berufsverkehrszüge mit Dampfloks bespannt.

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Am 25. Juli 1931 wurde zwischen der ČSD und dem Deutschen Reich ein neuer Vertrag über die Regelung der Verhältnisse der grenzüberschreitenden Eisenbahnen abgeschlossen, der jedoch im Wesentlichen den bisherigen Status quo festschrieb. So wurden als gemeinschaftliche Übergangsbahnhöfe die Stationen Asch (Böhmen) und Adorf (Vogtl) festgelegt. Die gemeinschaftliche Zollabfertigung fand auf dem Bahnhof Roßbach statt. Wesentliche Punkte des Vertrages waren: Das Münchner Abkommen schaffte die Grundlage für die Besetzung des Sudetengebietes. Dabei hatte das Sudetendeutsche Freikorps unter Oberlehrer Putz bereits am
Grenze bei Rossbach 1986 lagen auf tschechischer Seite noch die Schienen bis zur Grenze bei Arnsgrün
Foto: Wilfried Rettig
21. September 1938 mit der Machtübernahme im Ascher Zipfel dem Schicksal vorgegriffen. Nach der Verordnung über die Eisenbahnen in den sudetendeutschen Gebieten vom 19. Oktober 1938 wurde Asch - Adorf zu einer rein innerdeutschen Strecke und unterstand ab sofort der RBD Regensburg. Zugleich erlebte die Strecke eine gewaltige Verkehrszunahme. Auf der KBS420n fuhren von Asch HBf sieben Züge bis Adorf, einer nach Roßbach, ein Weiterer von Asch Stadt bis Roßbach und zwei von Asch Stadt bis Adorf. 1940 wurde der Personenverkehr bereits zugunsten kriegswichtiger Transporte auf sechs durchgehende Zugpaare (vier bis Asch HBf und zwei bis Asch Stadt) eingeschränkt. Das letzte Reichskursbuch von 1944 verzeichnete auf der nunmehrigen KBS422e noch fünf Zugpaare von Asch nach Adorf und zwei bis Roßbach. Alle führten nur die 3. Klasse.

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Am 15. April 1945 endete mit dem Zugverkehr zwischen Roßbach und Adorf die Geschichte des "Roßbacher Mockels". An diesem Tag
Asch HBf Am 24.08.96 begibt sich der Triebwagen 810 431, nachdem er seinen Beiwagen in Aš HBf stehen ließ, auf die Fahrt nach Hranice. Rechts das 1970 erbaute Empfangsgebäude.
Foto: Wilfried Rettig
beschossen amerikanische Tiefflieger einen Zug im Bahnhof Freiberg (Vogtl), wobei sieben Todesopfer zu beklagen waren. Truppen der 3. US-Armee nahmen von Rebersreuth her auch den Bahndamm in der Elsteraue unter Beschuss, den die deutsche Wehrmacht als Deckung nutzte. Dabei wurde die Elsterbrücke zerstört und damit die Strecke unbefahrbar gemacht.
(Anmerkung 04.12.2009: Berichte eines Zeitzeugen belegen inzwischen, dass die Brücke erst im Jahr 1949 im Zuge der Demontage der Trasse abgerissen wurde und dass Soldaten der deutschen Wehrmacht durch eine Sprengung des Gleises an der Elsterbrücke in den letzten Kriegstagen für die Unbefahrbarkeit der Strecke verantwortlich waren.)

Im von den Amerikanern besetzten Böhmen begann der Zugverkehr nach Asch über Selb-Plößberg, denn die Strecke nach Eger war mehrfach unterbrochen. In Haslau verursachte die Sprengung eines deutschen Munitionsbunker umfangreiche Schäden auf dem Bahnhof, und zwei Bögen des Egerviaduktes waren dem anglo-amerikanischen Bombenterror zum Opfer gefallen. Zwischen Asch und Roßbach soll ab 11. Juli 1945 der Zugverkehr mit täglich einer Verbindung aufgenommen worden sein. Deutsche durften diesen Zug jedoch nicht benutzen. In Richtung Selb-Plößberg wurden 1946 Tausende Sudetendeutsche aus der ČSR vertreiben.

Aufsehen erregte am 11. September 1951 ein Grenzdurchbruch tschechischer Regimegegner mit dem Personenzug Cheb - Aš nach Bayern.

1946 begann der Abbau des Gleises von Adorf bis zur Elsteraue. Junghelfer vom Bm Adorf demontierten 1949 den Oberbau bis 500 m vor der Landesgrenze. Das Schienenmaterial wurde aufgrund der zerstörten
Bf Asch Stadt Der Triebzug M 152 0508 fährt soeben in Aš město (Asch Stadt) ein und wird bereits von Fahrgästen erwartet (1986)
Foto: Wilfried Rettig
Elsterbrücke mit Pferdefuhrwerken abtransportiert. 1951, als für den Bau des Berliener Außenringes jeder Meter Schiene und jedes Stück Kleineisen benötigt wurde, erinnerte man sich bei der RBD Dresden und im zuständigen RBA Aue des halben Kilometers Gleis und barg das Reststück bis zur Staatsgrenze am km 16,89.
(Anmerkung 04.12.2009: Auch diese Aussagen werden inzwischen durch einen Zeitzeugenbericht teilweise relativiert.)

Ein Teil der Trasse dient heute als Forstweg. Die ehemaligen Bahnhofsgebäude von Freiberg (Vogtl) und Arnsgrün werden als Wohnhäuser genutzt. Freiabort und Güterschuppen in Arnsgrün sind in Privatbesitz übergegangen, in Freiberg (Vogtl) dagegen verfallen die Anlagen.

Der Ascher Bahnhof wurde am 20. April 1945 durch polnische und italienische Zwangsarbeiter geplündert. Die einhergehenden Zerstörungen führten zum Verfall des Empfangsgebäudes. 1955 waren noch drei Wohnungen vermietet, die weiteren unbewohnbar, so dass das Bauwerk am 12. Dezember 1968 gesprengt wurde. Zudem träumten die Initiatoren des "Prager Frühlings" von einer Grenzöffnung in Richtung BRD und wollten ein neues modernes Gebäude präsentieren, welches in den folgenden zwei Jahren entstand (Einweihung am 30. Dezember 1970). Die Lokalbahn Asch Anschluss wurde aufgelassen und die Gleise einschließlich zweier Bahnsteige in den Richtungsverkehr aus Cheb (Eger) eingebunden.

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Die Bahnhofsgebäude in Asch Hofer Straße und Thonbrunn wurden um 1990 aufgelassen und werden seitdem systematisch zerstört, die Lade- und Umfahrungsgleise bis auf einen Anschluss in Thonbrunn (Stand 1995) demontiert. Neuberg besaß immer nur einen Bahnsteig am durchgehenden Hauptgleis. Hier wie in Schildern ersetzen gemauerte Wartehallen die gestohlenen und verheizten hölzernen Bauten.

Die ČSD führten ihren Zugverkehr ab November 1945 auf der Relation Cheb (Eger) - Roßbach durch. Deutsche durften die Triebwagen allerdings nicht benutzen. Schon 1948 wurde der vereinfachte Verkehrsdienst eingeführt, Zugbegleitbahnhof war Asch Stadt. 1959 verzeichnete die KBS 14n sechs Zugpaare auf der Gesamtstrecke und drei nach Aš město (Asch Stadt).
Bf Rossbach 1992: Triebwagenzug mit 810 153-7 auf dem Bahnhof Hranice v Čechách (Rossbach) bereit zur Rückfahrt
Foto: Wilfried Rettig
In den sechziger Jahren war der Verkehr bis Hranice v Čechách (Roßbach) auf acht Züge angewachsen, die inzwischen alle als Triebwagen verkehrten. Die Reisegeschwindigkeit auf dem Abschnitt Aš - Hranice v Č. hatte sich auf genau 30 km/h erhöht. Bis 1995 änderte sich bis auf die neue Streckennummer 148 am Fahrplan nichts. Inzwischen ist der Nachtzug in Wegfall gekommen. Ohnehin bleiben bei den meisten Zügen ab Cheb die Beiwagen in Aš oder Aš město stehen. Die Triebwagen, 1997 waren es noch sieben, fuhren danach solo nach Hranice v Č. Trotz relativ guter Auslastung wurden die 1998 übrig gebliebenen drei Verbindungen zum Fahrplanwechsel eingestellt. Ein Jahr lang ruhte der Zugverkehr gänzlich, danach wurde er mit einem täglichen Zugpaar wieder aufgenommen. Seit 28. Mai 2000 können Reisende wieder zwischen vier Relationen wählen.
Anmerkung: 2005 sollte abermals der Zugverkehr auf der Strecke Aš - Hranice eingestellt werden (siehe Pressebericht), es gab damals täglich noch zwei Verbindungen. Stand 2009: Wochentags und Sonntags am Nachmittag eine Verbindung von Cheb nach Hranice und zurück, Samstags nur Hinfahrt von Cheb aus nach Hranice.

Der Güterverkehr nach dem zweiten Weltkrieg war nicht sonderlich hoch und beschränkte sich vornehmlich auf Kohlelieferungen für Aš město und Hranice sowie Holzverladung in Studánka. 1996 waren nur noch vereinzelte Übergabezeüge zu beobachten. Die meisten Ladegleise sind abgebaut und die Anschlussgleise grasüberwuchert.

Im Verlauf der Zeit änderten zahlreiche Betriebsstellen ihre Bezeichnung:

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