Vorgeschichte, Bau und Eröffnung der Bahnlinie
Asch-Roßbach-Adorf

Wilfried Rettig, Minden
Die Eisenbahnen im Vogtland, Band 2, EK-Verlag
Bereits 1845, also lange bevor die ersten Gedanken an eine Voigtländische Eisenbahnlinie nach Böhmen durch ein Oelsnitzer Eisenbahnkomitee spruchreif wurden, strebte der Magistrat von Hof eine Eisenbahn über Rehau ins Egerland an. Zwar konnte
Lok 98 1329 im BW Adorf 1943 weilt die 98 1329 (ex ČSD 320.005), eine Lok des 'Mockels', zur Aufarbeitung außerplanmäßig im Bw Adorf/V.
Aufnahme: Sammlung Wilfried Rettig
er in Bayern keine weiteren Interessenten gewinnen, doch in Asch gab es etliche Befürworter einer solchen Schienenverbindung. Überhaupt war die Textilstadt in den Jahren bis 1863 mehrfach das Ziel von Eisenbahnprojekten aus Sachsen und Bayern, so 1857 der Oelsnitzer Vorschlag Plauen-Adorf-Asch, 1859 die Linienführung Oelsnitz-Adorf-Elster-Grün-Asch des Sächsischen Finanzministeriums, im Folgejahr die Auerbacher Variante Falkenstein-Schöneck-Leubetha-Adorf-Asch und zeitgleich Hof-Asch-Falkenau des Hofer Eisenbahnkonsortiums. Letzteres erhielt am 4. Juni 1863 die Konzession für die Linie Hof-Eger. Am 1. November 1865 wurde sie gemeinsam mit der Voigtländischen Staatseisenbahn, die zwischen Voitersreuth (heute Vojtanov) und Franzensbad aufeinander trafen und ab da auf einem gemeinsamen Bahnkörper verlief, eröffnet.

Die Station Asch erhielt den Status eines Grenzbahnhofes mit Zollrevision. Die gesamte Eisenbahnstrecke wurde von der Stadtgemeinde Hof erbaut. Wegen Terrainschwierigkeiten zweigte die Trasse nicht in Hof, sondern im 5 km südlich gelegenen Bahnhof Oberkotzau (Strecke Hof - Marktredwitz) ab. Für dessen Erweiterung stellte die Kgl. Bayer. Staatseisenbahn einen Kredit von 70.000 Gulden bereit. Auch übernahm sie die Betriebsführung auf der Gesamtstrecke für einen jährlichen Pachtschilling von 279.000 Gulden und stellte Fahrzeuge und Betriebsmaterial. 1919, drei Jahre vor Ablauf des Pachtvertrags, trat die Stadt Hof ihre Rechte an der Strecke ab.

Um mit der aufblühenden Ascher Textilindustrie konkurrenzfähig bleiben zu können, forderten die Kaufleute und Fabrikanten im Roßbacher Zipfel ebenfalls einen Eisenbahnanschluß. Bereits am 21. April 1873 wurden die technischen Vorarbeiten zum Bau einer Strecke Asch-Roßbach genehmigt, doch fand sich wegen Finanzierungsschwierigkeiten kein Betreiber. Um das Projekt rentabler zu gestalten, entstand 1880 der Vorschlag einer Weiterführung nach Weischlitz im Vogtland, doch die K.Sächs.Sts.E.B. hatten kein Interesse an einer zur Voigtländischen Staatseisenbahn parallelen Linie.

» zum Seitenanfang

Erst im Januar 1883 war die Finanzierung der Strecke Asch-Roßbach gesichert, so dass sich die private Österreichische Local-Eisenbahngesellschaft um eine Konzession bemühen konnte, die sie am 11. November 1883 erhielt. Der Landerwerb gestaltete sich schwierig, da es in Österreich kein Expropriationsgesetz gab. So begannen die Erdarbeiten erst am 6. Oktober 1884 unter der Leitung von Ing. Josef Fogoviš. Da keine größeren Kunstbauten außer Dammschüttungen und einigen Wasserdurchlässen zu errichten waren, konnte bereits am 27. Juli 1885 der erste Zug verkehren. Nach der baupolizeilichen Abnahme fand am 26. September 1885 die feierliche Einweihung statt.

Wieder waren es Fabrikanten und Kaufleute, die sich für eine Weiterführung der Strecke nach Sachsen einsetzten, um deren Rendite zu erhöhen, einen größeren Absatzmarkt zu erschließen und den Grenzgängern unter ihren Arbeitern einen gewissen Berufsverkehr zu ermöglichen. Nach Vorlage des technischen Projekts der Strecke Roßbach-Adorf im Juni 1898 schlossen Sachsen und Österreich am 27. November 1898 einen diesbezüglichen Staatsvertrag ab. Die Baukonzession der sächsischen Regierung an die Österreichische Local-Eisenbahngesellschaft vom 18. August 1903 legte u.a. fest, dass die gesamte Bahnanlage auf sächsischem Gebiet nach Ablauf von 90 Jahren entschädigungslos in das Eigentum des sächsischen Staates übergehen. Außerdem sollte der Betrieb auf der projektierten Verbindung Adorf-Roßbach-Hof, für die im gleichen Jahr der Sächsische Landtag petitionierte, den K.Sächs.Sts.E.B. übertragen werden.

Die sächsische Regierung plante bereits in der Finanzperiode 1902/03 die anteiligen Kosten für die Umgestaltung des Bahnhofs Adorf ein, doch die Enteignungsverhandlungen zogen sich noch bis zum Frühjahr 1905 hin. Unter den 14 Offerten, die bis zum 26. Februar 1905 auf die Bauausschreibung eingingen, wählte die Bahngesellschaft die einzige böhmische Firma, Zdeněk Kruliš aus Prag, aus. Zwei Monate später begannen die Erdarbeiten in Roßbach. Der bisherige Endbahnhof eignete sich nicht zur Weiterführung der Strecke, weshalb ein neuer Bahnhofsstandort, ca. 150 m weiter nördlich und etwas näher zur Ortsmitte gelegen, gewählt wurde. Ca. 1 km vor dem alten Bahnhof (km 14,08) zweigte die Neubaustrecke ab.

» zum Seitenanfang

Unterdessen wurde am 7. Juli 1905, entsprechend des Gesetzes vom 21. Dezember 1898, die Österreichische Local-Eisenbahngesellschaft und damit die Strecke Asch-Roßbach verstaatlicht. Folglich unterstanden auch die weiteren Bauarbeiten der österreichischen K.k.St.B. Die neue Trasse von Roßbach ins Elstertal folgte dem Tetterweinbach. Der Aufwand an Kunstbauten war relativ gering, außer zwei Straßenbrücken und einigen Wasserdurchlässen war die Elsteraue mit einem Damm und einer Flussbrücke zu überqueren. Nach reichlich einjähriger Bauzeit war die Strecke soweit fertiggestellt, dass erste Probefahrten absolviert werden konnten. Überschattet wurden die Arbeiten durch einen schweren Unfall, bei dem der Bauleiter der Firma Kruliš, Oberingenieur Prokupek, tödlich verunglückte. Zwei Draisinen waren kurz hintereinander in Roßbach abgelassen worden. Bei der Zweiten, die schwer mit Möbeln für den Bahnhof Arnsgrün beladen war, versagten im anschließenden Gefälle die Bremsen. Es kam noch vor der Landesgrenze zum Aufprall, bei dem Prokupek aus dem Fahrzeug geschleudert und von diesem überrollt wurde.

Am 6. August 1906 verkehrte der erste Lokomotivzug auf dem durchgehend bis Adorf verlegten Gleis. Bereits am 1. September 1906 nahm das Nebenzollamt 1. Klasse im neuen Grenzbahnhof Roßbach seinen Betrieb auf. Die technische Abnahme der Strecke durch österreichische und sächsische Polizeibeamte fand erst am 14. September 1906 statt, ergab aber keine Beanstandungen. Damit wurde die Strecke seitens der Baufirma Kruliš offiziell an die beiden Staatsbahnverwaltungen übergeben. Am Montag, dem 17. September, verkehrte ein Festzug mit den Honoratioren der Gegend und hochrangigen Bahnbeamten der Bahnen. In den neuen Warteräumen des Bahnhofes Roßbach ließen sich die Teilnehmer den vom Bahnhofshotelier angerichteten Festschmaus schmecken und brachten zahlreiche Trinksprüche auf die Majestäten und die Erbauer aus. Aber auch das gemeine Volk profitierte von den Festlichkeiten. In Roßbach blieben an diesem Tag Schulen und die meisten Fabriken und Geschäfte geschlossen. Die "Vogtländische Zeitung" vermeldete die Mitteilung des Sächsischen Finanzministeriums, dass am 18. September 1906 die von der K.k. Oesterreichischen Staatseisenbahnverwaltung erbaute vollspurige Nebeneisenbahn Adorf - Roßbach für den öffentlichen Personen- und Güterverkehr eröffnet wird. Den Betrieb führt die K.k. Staatsbahndirektion Pilsen.

Vom Anfangspunkt Asch in 645 m Höhe ü NN war bis Roßbach (590 m) nur ein absoluter Höhenunterschied von 55 m zu überwinden, doch gab es neben dem Streckenscheitel bei Asch Stadt (670 m) unterwegs mehrere Senken. Hinter Roßbach am km 16,0 fiel die Strecke mit maximal 25% ins Elstertal, bis sie nach 146 Höhenmetern den Bf Adorf/V. (444 m ü NN) erreichte.

» zum Seitenanfang